Dr. Sabine Seidel: Mit Humus CO2 im Boden binden – geht das?

von | 23. April 2023 | Artikel, Klima, Natur und Vielfalt

Die Erderhitzung ist so weit fortgeschritten, dass der Humusaufbau allein unsere Bäume nicht mehr retten wird. Es muss viel mehr passieren, sagt Agrarwissenschaftlerin Prof. Dr.. Sabine Seidel auf dem 4. Bonn4Future-Klimaforum, am 9. September 2022. Sie berichtet über den hundertjährigen Humusversuch auf dem Versuchsgut Dickopshof der Universität Bonn. Und sie beschreibt. was wir tun können, damit wir die Natur so erhalten, wie wir sie kennen und lieben.

Sieh dir hier den Mittschnitt des Vortrags an:

In der Theorie ist es klar: Wenn man Bäume oder Hecken pflanzt oder bestimmte Kulturen auf dem Acker anbaut, dann lagern diese CO2 ein und entziehen es der Atmosphäre. In der Praxis ist das Ganze aber ziemlich kompliziert und der Erfolg schwer zu messen. Denn Humusaufbau geht sehr langsam. Das zeigt ein über hundertjähriger Feldversuch am Dickobshof, den Sabine Seidel betreut. Auch die Hitze macht dem Humus zu schaffen. Je wärmer es wird, desto höher die Aktivität der Bodenlebewesen. Es könnte also sein, das sorgsam aufgebauter Humus durch die Erderwärmung wieder abgebaut wird.

Anschaulich beschreibt die Agrarwissenschaftlerin die Zeichen der Naturzerstörung, die sie auch im Bonner Umland findet. Auf dem Versuchsgut in Meckenheim zum Beipiel ist der Grundwasserspiegel so stark abgesunken, dass die Baumwurzeln nicht mehr nachkommen. Der Grund: Die Pumpen in den Kohlegruben.

Seidels zentrale Botschaft ist : Wir müssen das fossile Zeitalter beenden, und zwar jetzt, oder eigentlich: vorgestern! Nichts ist teuer im Vergleich zu dem, was kommen wird – was unsere Kinder und Enkelkinder bezahlen müssen für das, was wir jetzt verschlafen

Prof. Dr. Sabine Seidel absolvierte ihr Studium der Agrarwissenschaften an der Technischen Universität München und promovierte zum Thema Pflanzenmodellierung und Bewässerung am Lehrstuhl für Hydrologie der Technischen Universität Dresden. Sie hat eine Professur am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz, Pflanzenbau, der Universität Bonn tätig. Sie forscht unter anderem zu den Auswirkungen von Nährstoff-, Trockenheits- und Hitzestress auf Pflanzen in verschiedenen phänologischen Stadien.

Die Bonn4Future-Klimaforen

Ende 2019 fiel der Ratsbeschluss, dass Bonn bis 2035 klimaneutral werden soll. Deswegen hat der gemeinnützige Verein Bonn im Wandel e. V. und ein großer zivilgesellschaftlicher Unterstützerkreis 2020 das Beteiligungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima” initiiert, das bisher umfangreichste Mitwirkungsverfahren der Stadt. Es wurde von Bonn im Wandel beantragt und entwickelt und dann in Kooperation und mit Förderung der Bundesstadt Bonn durchgeführt. Die Verwaltung hat das Verfahren von Beginn an in besonderer Weise unterstützt.

In vier großen Klimaforen haben über 200 zufällig geloste Bürger:innen mit Unterstützung von Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis und Verwaltnug den „Klima-Aktionsplan der Bürger:innen” erarbeitet.Die Empfehllungen der Bürger:innen wurden in den Klimaplan der Stadt Bonn aufgenommen.

Sonja C.
Autor*in: Sonja C.

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