Bio-Kornfeld

Foto: Gesa Maschkowski

Wissenswertes

Warum wir in Bonn und Region mindestens 50 % Ökolandbau brauchen

Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die Bio kaufen. Doch auf den Feldern ist ökologische Landwirtschaft noch die Ausnahme. Warum wir schneller umstellen müssen.

In Kürze

  • Der Ökolandbau hat viele Vorteile für Mensch und Natur: Er fördert eine gesunde, biologisch vielfältige Lebensumwelt, schont Ressourcen und das Klima.
  • Daher brauchen wir mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen – auch in unserer Region, denn NRW gehört zu den Schlusslichtern in Punkto Bio. Die Nachfrage ist größer als das Angebot.

Lesezeit: ca. 57 Min.

30 % Ökolandbau soll es 2030 geben, so hat es die Bundesregierung beschlossen. Das heißt: In weniger als acht Jahren soll ein  Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet werden.Davon sind wir weit entfernt.In NRW sieht es besonders schlecht aus. Keine 7  %  der landwirtschaftlichen Fläche werden in NRW ökologisch bewirtschaftet, im Acker-, Gemüse und Obstbau sind es unter 1%. So verschenken ein großes Potenzial, das diese Form der Bewirtschaftung mit sich bringt. Zum Nachteil für unsere Ackerböden, die Singvögel, die biologische Vielfalt und unser Grundwasser.

Hier haben wir für Euch fünf gute Gründe zusammengestellt, warum wir mehr Bio im Rheinland brauchen.

1. Ökolandbau ist Klimaschutz auf dem Acker

Bio-Landwirt:innen nehmen das landwirtschaftliche Ökosystem als Kreislauf in den Blick. Sie achten besonders auf den Erhalt der Böden. Das ist gut fürs Klima. Denn laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) bilden Öko-Ackerflächen deutlich mehr Humus. Auf diese Weise wird Kohlendioxid (CO2) im Boden gespeichert. Konventionelle Flächen hingegen verlieren im Durchschnitt 150 kg CO2 pro Hektar und Jahr. Das ist genau der falsche Trend. Wenn wir die Klimaziele von Paris erreichen wollen, dann müssen wir alles daransetzen, dass wir das CO2 in unseren Wäldern, Böden und Hecken speichern. Wir brauchen Klimabauern. Eine Region in Österreich hat das schon perfektioniert. In der Humusregion Kaindorf wird systematisch Humus aufgebaut. Und Landwirte können CO2-Zertifikate vergeben.

Die Bio-Landwirtschaft verzichtet außerdem auf industriell hergestellten Stickstoffdünger. Das ist gut so. Denn zur Herstellung von einem Kilo Kunstdünger muss die Energie von zwei Litern Erdöl aufgewendet werden.

2. Ökolandbau schützt die Artenvielfalt

Viele Wildtiere haben es auf konventionell bewirtschafteten Flächen schwer. Das liegt zum Beispiel an Pestiziden. Die sollen vor Frfeinden schützen oder unerwünschte Pflanzen am Wachstum hindern. Sie wirken aber leider nicht nur gegen Beikräuter und Schadinsekten. Sie entfalten ihre Wirkung im ganzen Ökosystem und vernichten auch Wildblumen oder Nützlinge. Auf großen Getreide- oder Rübenfeldern gibt es für Insekten fast keine Nahrung mehr. Denn Hecken, Blühstreifen und Co. sind selten geworden.

So verlieren zahlreiche Insekten und Vögel ihre Nahrungsgrundlage und ihren Lebensraum. Auch einst häufige Vogelarten wie Star, Rauch- und Mehlschwalbe sind mittlerweile gefährdet. Für eine Trendwende brauchen wir eine vielfältige biologische Landwirtschaftmit einem Anteil von mindestens 50 %, schätzen Vogelexpert:innen.

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Schachbrettfalter auf Wiesenflockenblume
Schachbrettfalter auf Wiesenflockenblume
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Gesa Maschkowski

 

3. Ökolandbau schützt unser Wasser

Mehr und mehr Städte lassen in Wasserschutzgebieten nur Biobetriebe wirtschaften. Denn die nutzen langsam wirkende organische Düngemittel wie Mist, Kompost oder Leguminosen und keinen künstlichen Stickstoffdünger. Das verringert die Gefahr, dass zu viel Stickstoff im Boden landet.Denn Stickstoff, den die Pflanzen nicht aufnehmen können, sickert als Nitrat ins Grundwasser. Daraus kann Nitrit enstehen, was vor allem für Säuglinge gefährlich ist. Je stärker unser Wasser mit Nitrat belastet ist, desto aufwändiger und teurer wird die Aufbereitung zu Trinkwasser. Ein Gutachten des Deutschen Sachverständigenrates für Umweltfragen (DSU) zeigt, dass in Deutschland schon ein Viertel aller Grundwasserkörper stickstoffbelastet sind.

4. Ökolandbau schafft Arbeitsplätze

Immer mehr Menschen sichern sich auch in Bonn ihre Existenz durch regionale Lebensmittelproduktion und -verarbeitung. So sind in und um Bonn inzwischen über fünf solidarische Landwirtschaften entstanden und eine solidarische Imkerei, es gibt Marktschwärmereien und verpackungsfreie Läden. Alle setzen auf Bio. Dass Landwirtschaft und Naturschutz sich nicht widersprechen müssen, zeigt auch das Biosphärenreservat Schorfheide Chorin. Hier gibt es die größte zusammenhängende Ökolandbau-Fläche bundesweit und praktisch keine Arbeitslosigkeit – dank wachsender Bio-Unternehmen und Agrartourismus.

5. Bio aus der Region verkürzt die Transportwege

Wenn wir nur 20 % unserer Grundnahrungsmittel aus der Region beziehen, könnte eine Stadt wie Bonn 16 Millionen Transportkilometer Nahrungsmitteltransporte pro Jahr einsparen. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von 11.000 Haushalten, so die Schätzungen der RUAF Foundation. Diese Stiftung setzt sich weltweit dafür ein, regionale Ernährungssysteme zu entwickeln und zu verbessern.

Text: Gesa Maschkowski, Sonja Corsten

 

Linktipps

  • Auf bonn-im-wandel.de findest du eine Übersicht von Gemeinschaftsgärten. Bald findest du sie auch hier auf der Bonn4Future-Karte.

  • Hier findest du Selbsterntefelder, die von Landwirt:innen selbst betrieben werden (Holweide, Sürth, Troisdorf). Die Betreiber:innen von meine-ernte.desind keine Landwirt:innen. Sie organiseren und vermitteln Selbsterntefelder auf landwirtschaftlichen Betrieben. Meine Ernte bietet Gemüseparzellen in Bornheim, Buschdorf, Mehlem oder Troisdorf an.

  • Bio-Stadt Bonn: Hier findest du weitere Infos zu Bio rund um Bonn, z. B. eine Liste von Hofläden in der Region.

  • Ein Jahr auf dem Gemüse-Selbsterntefeld: Eine kleine Video-Doku (35 Min.) hat die Biolandwirte Katrin und Evgeny Ivanov und „ihre“ Hobby-Gärtner:innen ein Jahr lang begleitet.

Fragen und Antworten

Was kann man tun, damit mehr Bio auf die Felder kommt?

Wandel braucht mehr als guten Willen, Wandel braucht auch finanzielle Förderung. Die Regionalwert AG Rheinland, eine Bürger-Aktiengesellschaft, setzt sich genau dafür ein. Das Geld kommt Bio-Betrieben zu Gute, gleich ob Hof, Marktstand oder mobile Käserei. Im Interview erzählt die Mitgründerin Dorle Gothe, wie das geht und was sie bewegt.

Und wie kommt die Bioware auf unseren Teller?

Ein guter Ansatz ist das Konzept der Bio-Stadt. Auch die Stadt Bonn hat den Wert der biologischen Landwirtschaft erkannt. 2019 ist sie dem Netzwerk der deutschen Bio-Städte beigetreten. In Bonner Schulen und Kitas soll es jetzt mehr Bio-Essen geben. Aktuell liegt der Anteil bei 10–20 %. Die Biostadt Nürnberg macht es vor: Dort gibt es schon 70 % Bio in den städtischen Kitas und Schulen.

Muss es immer Bio sein?

Es gibt es auch konventionelle Betriebe, die vielfältig, wasserschonend und naturnah wirtschaften. Wichtig ist, dass alle sich auf den Weg machen, besser zu werden. Mittlerweile gibt es Bewertungssysteme, die objektiv ermitteln, wie nachhaltig ein Hof ist. Zum Beispiel die Regionalwert-Leistungsanalyse.

 So kannst du aktiv werden:

  • Lust auf Bio? Zweimal wöchentlich gibt es den Ökomarkt auf dem Martinsplatz. Oder wie wäre es mit einer Bio-Kiste im Abo?
  • Bio, aber günstig? Das geht. Zum Beispiel durch geschicktes Einkaufen. Ein Blick auf den Saisonkalenderzeigt dir, was gerade wächst und günstiger ist.

  • Kein Geld aber ein bisschen Zeit und Lust auf Bewegung? Miete ein Stück Acker und ernte dein Bio-Gemüse selbst! Auf dem Selbsterntfeld bereiten die Landwirt:innen zu Beginn der Saison die Gemüseparzellen vor. Du übernimmst die Pflege und Ernte für ein Jahr.

  • Lust auf Gemeinschaft und Ackereinsätze? Werde Mitglied in einer SoLaWi. Erfahre hier, wie eine solidarische Landwirtschaft funktioniert.

  • Du hast keine Zeit, möchtest aber in den Wandel investieren? Dann schau dich doch mal um auf der Seite der Regionalwert AG Rheinland.

Globale Nachhaltigkeitsziele – Sustainable Development Goals (SDG)

Ökologischer Landbei leistet einen wertvollen Beitrag zu mindestens drei SDGs:

SDG 2 Den Hunger beenden: Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

SDG 12 nachhaltiger Produktion und Konsum: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen

SDG 15 Leben an Land: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen

eine Person setzt junge Salatpflanzen in die Erde

Ernährung

In den letzten zehn Jahren ist viel passiert in Sachen Ernährung in Bonn. Es gibt immer mehr

Termine zum Thema

Dezember

In Kooperation mit der Neuen Filmbühne Bonn-Beuel lädt Slow Food Bonn wieder zu einer Filmmatinee ein. Gezeigt wird das filmische Portrait der indischen Öko-Aktivistin und Trägerin

So., 04.12.22, 11:00 - 13:15
Adresse
Neue Filmbühne, Friedrich-Breuer-Str. 68-70, 53225 Bonn

Ein Online-Seminar mit Expert*innen zum Weltbodentag

Mo., 05.12.22, 17:00 - 18:30

Foodsharing wird 10 Jahre alt - feiert mit uns!

Sa., 10.12.22, 11:00 - 16:00
Adresse
Dietrich-Bonhoeffer-Haus der ESG, Königstraße 88
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